„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ (Amos 5,24)
Liebe Leserinnen und Leser,
es gibt Bilder, die sofort etwas in uns auslösen. Wasser gehört dazu. Wir wissen, wie es sich anfühlt, wenn es nach langer Trockenheit endlich regnet. Wie es klingt, wenn ein Bach gleichmäßig fließt. Wie beruhigend es ist, dem Wasser zuzusehen, das seinen Weg findet.
„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ (Amos 5,24)
Der Prophet Amos wählt genau dieses Bild. Recht und Gerechtigkeit sollen nicht mühsam herbeigetragen werden, nicht tropfenweise, nicht nur ab und zu. Sie sollen fließen. Lebendig sein. Spürbar. Für alle.
Was könnte das heute bedeuten?
Vielleicht zeigt sich „Recht wie Wasser“ dort, wo Menschen fair behandelt werden – unabhängig davon, woher sie kommen oder wie viel sie haben. Wenn Entscheidungen nicht nur den Starken nützen, sondern auch die Schwächeren im Blick behalten. Wenn jemand den Mut hat, für das einzustehen, was richtig ist, auch wenn es unbequem wird.
Und „Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach“? Das könnte dort sichtbar werden, wo Hilfe nicht von Stimmung oder Sympathie abhängt, sondern verlässlich geschieht. Wenn Nachbarn füreinander da sind. Wenn jemand nicht übersehen wird. Wenn Versprechen gehalten werden. Wenn wir nicht müde werden, hinzuschauen.
Dabei wissen wir: Unsere Welt ist oft alles andere als gerecht. Manches stockt, manches versickert, manches scheint ganz zu fehlen. Gerade deshalb ist dieses Bild so stark. Es ist nicht nur eine Beschreibung – es ist eine Hoffnung. Eine Einladung.
Wir dürfen daran mitwirken, dass etwas in Bewegung kommt. Manchmal im Kleinen: ein offenes Ohr, ein gerechtes Wort, eine Entscheidung, die nicht nur uns selbst dient. Wie kleine Zuflüsse, die zusammen einen Bach speisen.
Und zugleich dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott selbst die Quelle ist. Seine Gerechtigkeit ist kein flüchtiger Strom, der versiegt, sondern eine Kraft, die trägt und erneuert. In Jesus Christus ist sie uns nahegekommen – zugewandt, barmherzig, lebendig. Aus dieser Quelle dürfen wir schöpfen, gerade dann, wenn unsere eigenen Kräfte nicht ausreichen.
Vielleicht lohnt es sich, auf die „Wasserstellen“ im eigenen Alltag zu achten: Wo fließt etwas Gutes? Wo entsteht Leben? Und wo kann ich selbst ein kleiner Zufluss sein?
Denn dort, wo Recht und Gerechtigkeit Raum gewinnen, wird es heller. Und leiser – und vielleicht auch ein wenig leichter.
So gehen wir in die Sommerzeit – mit der Hoffnung, dass Gott unser Leben erfrischt wie ein klarer Bach, dass er stärkt, was trocken geworden ist, und wachsen lässt, was zum Guten dient.
Gottes Segen begleite Sie durch die kommenden Wochen: mit Momenten der Ruhe, mit neuer Kraft und mit dem Vertrauen darauf, dass seine Gerechtigkeit nicht versiegt.
Es grüßt Sie sehr herzlich,
Ihre Elisabeth Hollmann-Plaßmeier
Du bist ein Licht für die Welt

Liebe Leserinnen und Leser,
die Tage werden wieder spürbar länger. Das Licht kehrt langsam in unseren Alltag zurück. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Advents- und Weihnachtszeit. Damals war es anders: In der Adventszeit wurden die Nächte immer länger und die Tage kürzer. Ihren Höhepunkt erreicht diese dunkle Zeit am 21. Dezember, der längsten Nacht des Jahres. Genau in diese Dunkelheit hinein feiern wir die Geburt Jesu Christi. Mitten in der Nacht verkünden Engel in der leuchtenden Klarheit Gottes den Hirten die frohe Botschaft: Der Heiland ist geboren. Ein Stern weist den Weisen den Weg zum neugeborenen König. Kerzen am Adventskranz und die Lichter an den Weihnachtsbäumen erinnern uns bis heute daran: Gottes Licht scheint in der Dunkelheit. Und zugleich beginnt etwas Neues - die Tage werden wieder länger. Doch was bleibt von Weihnachten, wenn die Kerzen längst heruntergebrannt sind und der Alltag wieder Einzug gehalten hat? Es bleibt Jesus Christus. Das Kind in der Krippe, das erwachsen wurde und von sich sagt: „Ich bin das Licht der Welt.“ Dieses Wort ist mehr als ein Bild. Licht bedeutet Orientierung. Wer sich an Jesus Christus hält, findet den Weg. Da geht einer voraus, sodass wir nicht alles allein suchen müssen. Gottes Licht ist nicht klein und begrenzt wie eine einzelne Kerze. Es ist stark, für alle da, und vermag die Dunkelheit zu vertreiben.
Dunkelheit kennen wir aus unserem eigenen Leben. Im Dunkeln wirken Dinge bedrohlicher, als sie bei Tageslicht sind. Unsicherheit, Angst und Zweifel können unseren Blick verstellen. Gottes Licht aber schafft Klarheit. Es macht Mut und zeigt Wege. Es ist ein Licht auf unserem Lebensweg. Gott ist uns nahegekommen - mitten in unser Leben hinein. Sein Licht will unsere Herzen hell machen. Und Gott schenkt uns dieses Licht nicht nur für uns selbst. Er gibt uns genug davon, dass wir es weitergeben können: durch ein freundliches Wort, ein Lächeln, eine aufmerksame Geste. So können wir das Leben anderer Menschen heller machen.
Darum traut Gott uns etwas zu und sagt zu uns: Du bist ein Licht für die Welt.
Was für eine Ermutigung. Wir sind Kinder des Lichts. Wir dürfen darauf vertrauen: Gottes Licht ist stärker als alles Dunkel. Es begleitet uns im Leben und auch über den Tod hinaus. Jesus Christus spricht: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht im Dunkeln leben, sondern das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8, 12)
Diesem Licht dürfen wir vertrauen - jetzt und alle Zeit.
Für die kommende Zeit wünschen wir Ihnen, dass Gottes Licht Ihren Weg erhellt, Ihnen Mut gibt und Sie trägt - in hellen wie in dunklen Tagen.
Ihre Elisabeth Hollmann-Plaßmeier
Siehe, ich mache alles neu

Liebe Leserinnen und Leser,
wenn Sie diesen Gemeindebrief in den Händen halten, beginnt die Adventszeit. Es ist die Zeit des Wartens, in der wir uns der Ankunft dessen entgegensehnen, der versprochen hat: „Siehe, ich mache alles neu.“ In der Adventszeit erwarten wir das, was Heil und Leben bringt – und den, der Heil und Leben mit sich bringt: Jesus Christus.
Doch Advent ist nicht nur eine Zeit des Wartens. Sie ist auch eine Zeit der besonderen Bräuche und Köstlichkeiten, wie zum Beispiel Lebkuchen. Für mich gehört Lebkuchen einfach zur Adventszeit.
Die Zutaten des Lebkuchens – Haselnüsse, Walnüsse, Mandeln, Honig, Zucker, manchmal auch Marzipan, Eier und Mehl – vereinen sich zu einem Gebäck, das uns die winterliche Zeit versüßt. Doch es sind vor allem die Gewürze, die den Lebkuchen zu einem einzigartigen Geschmackserlebnis machen: Zimt, Anis, Kardamom, Ingwer, Piment, Nelken und Muskat.
Lebkuchen gibt es in vielen verschiedenen Formen, doch am häufigsten finden wir ihn als Stern, Herz oder Brezel.
Der Stern erinnert an den Stern von Bethlehem, der den Weisen aus dem Morgenland den Weg zum neugeborenen Kind zeigte. Er führt uns, auch heute noch, zur Quelle von Frieden und Liebe: zu Jesus Christus.
Das Herz steht für die Liebe Gottes zu den Menschen. In der Krippe liegt diese Liebe als lebendiges Geschenk – ein Geschenk, das uns den Weg zum Heil weist.
Die Brezel symbolisiert die Anbetung. Schon in alten Zeiten legten Mönche beim Gebet ihre Arme überkreuzt, ein Zeichen der Hingabe und Verehrung. So erinnert uns die Brezel daran, dass wir in der Anbetung des Kindes in der Krippe den Sinn des Lebens finden können.
Lebkuchen ist ein Gebäck, das man besonders aufbewahren muss, damit es lange genießbar bleibt. Wenn man es richtig lagert, bleibt es für Monate frisch und saftig. Doch wenn man es nicht richtig aufbewahrt, wird es hart.
Diese Idee vom „harten Lebkuchen“ erinnert mich an die Menschen – und an uns selbst. Auch wir können mit der Zeit hart werden. Die Welt um uns herum kann uns abkühlen, unser Herz kann verhärten durch Sorgen, Ängste oder Verletzungen. Manchmal nehmen wir solche Härte nicht einmal mehr wahr, weil sie sich schleichend entwickelt.
Ich erinnere mich an ein Jahr, als ich Monate nach Weihnachten im Vorratsregal eine Packung Lebkuchen fand. Ich öffnete die Packung, brach ein Stück ab und biss hinein – und es war hart. Doch dann, als ich länger kaute, entfaltete sich der Geschmack: Zimt, Kardamom, Nelken, Honig – der wahre Geschmack des Lebkuchens. Auch wenn er anfangs hart war, kam der verborgene Genuss schließlich doch noch durch.
Was ist, frage ich mich, wenn unsere Hoffnung eher einer Dauerbackware gleicht, an der wir zu kauen haben? Was ist, wenn unser Hoffen eine Art Widerstand ist, all dem zum Trotz, was Menschen hart und starr werden lässt?
Eine Hoffnung auf deren Geschmack wir erst langsam wieder kommen, die uns wieder für sich gewinnt, wenn wir sie ausprobieren: „Ehre sei Gott in der Höhe, Frieden auf Erden, den Menschen sein Wohlgefallen.“
Und obwohl Menschen oft unvernünftig, egoistisch und uneinsichtig sind – wir sollen sie trotzdem lieben. Die Liebe, die Gott in die Welt bringt, lässt uns auch in der Härte des Lebens nicht aufhören, Gutes zu tun. Auch wenn unser Gutes nicht immer erkannt wird, auch wenn wir verwundbar werden: Wir sollen trotzdem aufrichtig und freimütig bleiben.
Die Adventszeit lädt uns ein, auf die wahre Bedeutung von Weihnachten zu warten: Gott kommt in die Welt, um uns mit seiner Liebe und seiner Gnade zu beschenken. Der Lebkuchen erinnert uns dabei nicht nur an die süßen Seiten des Lebens, sondern auch daran, dass wir in der Dunkelheit der Welt die Hoffnung bewahren müssen. Auch in den harten Momenten des Lebens dürfen wir nicht aufhören, das Gute zu tun und der Liebe Gottes zu vertrauen.
Möge dieser Advent für uns alle eine Zeit des Wartens, des Hoffens und der tiefen Freude sein – und möge die Liebe Gottes, die in der Krippe liegt, uns immer wieder den Weg zeigen.
Ich wünsche Ihnen allen eine besinnliche Adventszeit, frohe und friedvolle Weihnachten und Gottes reichen Segen für das neue Jahr!
Ihre Elisabeth Hollmann-Plaßmeier
Gottes-Zeit feiern von Zuhause
Sonntags um zehn Uhr läuten die Glocken. Für ein paar Minuten steigen wir aus. Setzen uns zusammen. Entzünden eine Kerze in unserer Mitte. Erleben gemeinsam eine kleine Gottes-Zeit. Dazu brauchen wir nur uns selbst, eine Kerze und diese kleine Liturgie.
Eine(r):
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen ENTZÜNDEN EINER KERZE
Eine(r) zusammen:
Jesus Christus spricht: „Überall dort, wo zwei oder drei im Schutz meines Namens zusammen kommen, da bin ich mitten unter ihnen.“
KURZE STILLE
Jede(r) für sich:
Was war schön in der vergangenen Woche?
Was muss ich loslassen, weil es nicht zu ändern ist? Wo möchte ich mich verändern lassen?
An wen muss ich besonders denken?
Was wünsche ich mir für die nächste Woche?
Alle (abwechselnd?):
Gott, Freund des Lebens, Lebenskraft, besuche du die, die sich jetzt einsam fühlen. Deine Liebe umhülle sie zart. Stärke die, die jetzt für andere sorgen. Gib ihnen Geduld. Gib ihnen Kraft. Erhelle die, die jetzt entscheiden. Mach sie ganz klar. Schenke Mut. Ermahne die, die immer noch verharmlosen. Schenke Einsicht.
Wo wir nicht helfen können, halte unsere Hoffnung offen auf deine Zukunft hin.
Wo das Ganze uns übersteigt, lass uns im Kleinen beginnen. Sei unser Licht in dieser Woche. Zeige uns, was wir tun können. Zeige uns, wer wir sein können. Für uns und die, die mit uns leben.
Vaterunser im Himmel...
Segen (abwechselnd?):
Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen. Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen.
Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen.
Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst, und dich aus der Schlinge zu ziehen.
Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist. Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen.
Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.
So segne dich der gütige Gott. Amen
DAS LICHT DER KERZE WIRD GELÖSCHT



