Direkt zur Hauptnavigation springen Direkt zum Inhalt springen Jump to sub navigation

"Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei"

Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei;
ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.
1. Mose 2,18

Liebe Leserin, lieber Leser!

Kantholz in den metallenen Fuß geschoben, passend durchgebohrt und 17er Schraube reingezogen. Fast ist der Stützpfeiler für das neu Gartentor fertig. Fehlt nur noch die passende Mutter. In der Plastikbox finde ich lauter Schrauben der gleichen Größe. Die ergeben ein harmonisches Bild, wie sie so nebeneinander liegen - sie nützen mir aber nichts. Wenn das Gewinde seine Funktion erfüllen soll, braucht es sein Gegenstück.

Ergänzung macht ganz
„Männer und Frauen passen gar nicht zueinander“ sagt Loriot in dem Film Papa ante portas. Manchmal scheint es so und wir wünschen uns, der Partner oder die Partnerin würde so denken und „funktionieren“ wie wir. Dann würden wir uns nicht oder weniger aneinander reiben, wir hätten aber auch nicht die Ergänzung, die wir in der Unterschiedlichkeit finden.
„Seid fruchtbar und mehrt euch“ sagt Gott im anderen Schöpfungsbericht. Das bezieht sich in einem direkten Sinn gewiss auf reichen Kindersegen, zu dem der Schöpfer die Menschen ermutigt. Es hat aber auch eine darüber hinaus gehende Dimension, die ebenso für Paare gilt, denen der Kinderwunsch verwehrt bleibt: Die Ehe ist nämlich nicht als die bloße Addition zweier Leben gedacht, sondern aus Unterschiedlichem soll eine neue Einheit mit einer ganz eigenen Dynamik entstehen.

Unterschiede machen dynamisch
Was für die Ehe als Keimzelle der Gesellschaft gilt, gilt auch für diese als ganze und insbesondere für die christliche Gemeinde. Auch da ist die Unterschiedlichkeit der Charaktere und Persönlichkeiten immer neu eine Herausforderung. An dieser können wir versagen, indem wir uns zerstreiten oder gegenseitig links liegen lassen. Wir können daran aber auch wachsen und uns in unserer Unterschiedlichkeit so ergänzen, dass eine Dynamik entsteht, die mehr ist als die Addition von Einzelpersonen. Wo Menschen mit einem eher meditativen Zugang zu geistlichen Inhalten und solche mit eher analytischer Herangehensweise in gegenseitigem Respekt aufeinander hören, erschließt sich die Botschaft des Evangeliums in viel größerer Fülle. Wo Beter und Besucher, Zuhörer und Zupacker Ihre Herzensanliegen zusammenführen, entsteht eine Dynamik, die wir nie erreichen, wenn die Gleichgesonnenen unter sich bleiben. 
Entdecken wir also die Freude an dem, was anders ist, damit stabile Gartentore, fruchtbare Ehen und eine inspirierende Gemeinde entstehen.

In diesem Sinne grüßt Sie,
Ihr Pfarrer Rudolf Westerheide

Ostern aushalten

Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen:
„Ich habe den Herrn gesehen“. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte. 
Monatsspruch für April 2022 aus Johannes 20, Vers 18

Die Menschen, die Jesus besonders nahestanden, hatten gerade angefangen zu verarbeiten, dass er gekreuzigt und gestorben war. Trauerarbeit nennt man das, und die ist wichtig: Zurückdenken an den geliebten Menschen, Erinnerungen austauschen und loslassen.

Aber dieser Prozess wird abrupt gestört, kaum dass er begonnen hat. Maria kommt daher und behauptet, sie hätte Jesus gesehen und sogar mit ihm gesprochen! „Ach Maria - lass gut sein“ mögen die Jünger gedacht oder auch gesagt habe. Sie kannten diese Frau. Sie war eine treue Seele und hatte Jesus zu Lebzeiten im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützt. Noch in der Todesstunde stand sie - anders als die Jünger - unter seinem Kreuz. Vielleicht galt sie als psychisch labil oder zumindest etwas „speziell“. Darauf deuten Bemerkungen in den Evangelien und der späteren Überlieferung hin.

Ostern aushalten

Wie dem auch sei - diese Frau passte sich auch als Teil der Jesus-Gemeinschaft nicht ganz an die üblichen Verhaltensweisen an. Nach dem Tod des Meisters hatte es sie mit als erste zum Grab gezogen und dieses leer vorgefunden. Während die Jünger in Jerusalem eine Krisensitzung hielten, um über den Verbleib des Leichnams und das weitere Vorgehen zu beraten, verharrte sie am Grab, wo ihr dann der Auferstandene begegnete. In dessen Auftrag berichtete sie den Jüngern davon, dass Jesus lebte und leibhaftig erschienen war.

Sie verstand was geschehen war ebenso wenig wie alle anderen. Wie es sein konnte, dass der Messias, dem Gott doch alle Macht gegeben hatte, hingerichtet wurde. Aber gut, es war nun mal geschehen. Dass aber ein Toter zum Leben erweckt worden sein sollte war fast noch unheimlicher. Dafür gab es im menschlichen Verstehenshorizont keine Parallele und keine Erklärung. Aber sie war stark. Sie hielt das aus. Sie stellte sich der neuen Realität, die Gott geschaffen hatte ohne diese zu verstehen und ohne sie erklären zu wollen. Sie ak- zeptierte und berichtete in schlichten Worten, was sie gesehen und gehört hatte.

Die Auferstehung ist die wunderbarste Sache, die je passiert ist. Nichts ist mehr wie es war, seit es 3.000 Kilometer südwestlich von hier ein leeres Grab gibt. Ostern hat für uns alle die Tür zum Himmel aufgestoßen. Die Apostel haben diesen Triumph über Tod und Teufel, über Dämonisches und Diabolisches in dieser Welt später packend verkündet und beschrieben. Nie konnte die Christenheit aufhören, darüber Lieder des Staunens und der Glaubensgewissheit zu dichten.

Zuallererst muss man Ostern aber aushalten! Darin ist Maria ein großes Vorbild. Sie flüchtet sich in der Begegnung mit dem Auferstandenen weder in ein vorschnelles „klar, das musste ja so kommen“, noch in ein ungläubiges „das kann ja wohl nicht sein“. Gottes souveränes Handeln gilt es zu akzeptieren, selbst wenn man dafür keine Erklärungen hat. Den Anblick des auferstandenen Jesus gilt es staunend und anbetend auf sich wirken zu lassen, ehe wir die Schlüsse daraus ziehen, die unbedingt gezogen werden müssen.

Ostern feiern

Ich freue mich auf Ostern. Mit Ostereiern, Osterfrühstück, Osterfeuer, Osterglocken und allem was dazu gehört. Nicht zu vergessen die Ostergottesdienste! Darin werden wir mit der ganzen Christenheit in das Triumphlied über den Tod einstimmen und das Leben feiern. Damit das aber nicht oberflächlich wird, sondern uns in der Tiefe des Herzens erreichen kann, wollen wir uns zuerst dem Anblick des leeren Grabes stellen. Wie Maria und nach ihr unzählige andere. Das wird nicht einfach, aber es ist die Voraussetzung für echte österliche Freude und es kann auch Ihr Leben verändern. Nicht „Ach Maria - lass gut sein“ soll unser Ostermotto sein, sondern „Ach Maria, lass uns staunen“.

Frohe und gesegnete Ostern! Wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Rudolf Westerheide

Der liebe Gott sieht alles!

Als Student in Tübingen lud mich meine Zimmerwirtin eines Sonntags zu einem typischen schwäbischen Mittagessen ein. Es würde Spätzle und „Herrgottsbescheißerle“ geben. Spätzle kannte ich schon. Aber Herrgottsbescheißerle? Wie ich erfuhr, erhielten die traditionellen Maultaschen diesen Namen, weil sich in dem Teigmantel wunderbar das Fleisch verbergen lässt, das früher in der Fastenzeit eigentlich verboten war.

Lässt Gott sich so einfach hinters Licht führen? Natürlich nicht. „Der liebe Gott sieht alles!“ Das wissen wir doch seit Kindertagen. Wurde Ihnen damit vielleicht sogar gedroht? Salomo geht aber noch weiter, wenn er betet „Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder“ (1.Könige 8, 39). Demnach beschränkt sich Gottes Einblick nicht auf das, was offensichtlich ist oder getan wird, sondern geht tiefer. Er schließt unsere Gedanken und Gefühle ein – auch die, über die wir uns selber nicht im Klaren sind und die, von denen wir wissen, dass sie Gott nicht wirklich gefallen können.

Interessanter Weise findet der weise König das keineswegs beängstigend, sondern befreiend! Ganz ähnlich Hagar, die von Abraham und seiner Frau zuerst als eine Art Leihmutter benutzt und dann vom Hof gejagt worden war. Als sie an Körper und Seele zerschunden in der Wüste lag, begegnete ihr Gott, um sie innerlich und äußerlich aufzurichten. Ihre neu gewonnene Zuversicht fasste sie in die Worte „Du bist ein Gott, der mich sieht“.

Zur Ehrlichkeit befreit

Der Gedanke, von Gott im wahrsten Sinne des Wortes durchschaut zu sein, wird für mich immer tröstlicher, je älter ich werde. Ich muss mir nichts mehr vormachen und Gott schon gar nicht. Bei ihm sind meine manchmal chaotischen Gedanken und oft schwankenden Gefühle gut aufgehoben. Und ich weiß: Gott geht barmherzig um mit dem, was er da sieht. Er hilft mir dabei, die Gedanken zu sortieren, die Motive zu prüfen und mich von destruktiven Emotionen zu lösen.

Was für eine Befreiung: Wir müssen das, was wir vor Gott sowie nicht verstecken können, auch nicht zu verstecken versuchen. So empfand es wohl auch meine dreijährige Enkeltochter, als sie auf der Heimfahrt im Auto spontan ausrief: „Hallo Gott! Ich freue mich, dass du immer bei mir bist!“ Freuen Sie sich auch und öffnen Sie Gott Ihr Herz.

In diesem Sinne, Ihr Pfarrer Rudolf Westerheide

Gottes-Zeit feiern von Zuhause

Sonntags um zehn Uhr läuten die Glocken. Für ein paar Minuten steigen wir aus. Setzen uns zusammen. Entzünden eine Kerze in unserer Mitte. Erleben gemeinsam eine kleine Gottes-Zeit. Dazu brauchen wir nur uns selbst, eine Kerze und diese kleine Liturgie.

Eine(r):
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen ENTZÜNDEN EINER KERZE

Eine(r) zusammen:
Jesus Christus spricht: „Überall dort, wo zwei oder drei im Schutz meines Namens zusammen kommen, da bin ich mitten unter ihnen.“

KURZE STILLE

Jede(r) für sich:          
Was war schön in der vergangenen Woche? 
Was muss ich loslassen, weil es nicht zu ändern ist? Wo möchte ich mich verändern lassen?
An wen muss ich besonders denken?
Was wünsche ich mir für die nächste Woche?

Alle (abwechselnd?):
Gott, Freund des Lebens, Lebenskraft, besuche du die, die sich jetzt einsam fühlen. Deine Liebe umhülle sie zart. Stärke die, die jetzt für andere sorgen. Gib ihnen Geduld. Gib ihnen Kraft. Erhelle die, die jetzt entscheiden. Mach sie ganz klar. Schenke Mut. Ermahne die, die immer noch verharmlosen. Schenke Einsicht.
Wo wir nicht helfen können, halte unsere Hoffnung offen auf deine Zukunft hin.
Wo das Ganze uns übersteigt, lass uns im Kleinen beginnen. Sei unser Licht in dieser Woche. Zeige uns, was wir tun können. Zeige uns, wer wir sein können. Für uns und die, die mit uns leben.
Vaterunser im Himmel...

Segen (abwechselnd?):
Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen. Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen.
Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen.
Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst, und dich aus der Schlinge zu ziehen.
Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist. Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen.
Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.
So segne dich der gütige Gott. Amen

DAS LICHT DER KERZE WIRD GELÖSCHT